Interview mit Birgit Schrowange

Interview mit Birgit Schrowange

Ihr Lieben,

wir hatten das Vergnügen mit der wunderbaren Birgit Schrowange zu sprechen! Im Dezember hat die Moderatorin nach 25 erfolgreichen Jahren zum letzten Mal das RTL-Magazin "Extra" moderiert. Doch Däumchen drehen ist so gar nicht ihr Ding! Anfang April ist nun ihr Buch "Birgit ungeschminkt: Vom Leben gelernt" erschienen. Wir haben mit der TV-Lady über ihr neues "Baby", das Thema Selbstliebe und vieles mehr gesprochen. Viel Spaß dabei :)

Fotocredit: ADLER

Liebe Birgit, wie hat dich der Schönheitswahn in der Medienbranche geprägt?

Als junge Fernsehansagerin bestand die Welt ja nur aus Männern. Frauen waren nur Ansagerinnen oder Sekretärinnen, hatten hübsch zu sein und ansonsten den Mund zu halten. Männer durften hässlich, übergewichtig und ungepflegt sein, darauf achtete keiner. In den Anfängen fand ich das schon extrem, zum Glück hat sich das im Laufe der Zeit gewandelt. Heute dürfen auch ältere Frauen mit grauen Haaren und kurvige Frauen mit einer Kleidergröße jenseits der 46 ins Fernsehen. Das finde ich toll. Endlich nicht mehr nur die schlanken, blonden Püppchen. Trotzdem wird bei Frauen immer noch mit zweierlei Maß gemessen. Sie dürfen zwar alt sein, aber nicht unbedingt so aussehen.

Hattest du denn damit zu kämpfen, dass du vielleicht nicht unbedingt in dieses "Klischee-Aussehen" passt?

Ja klar. Ich musste mir auch mal anhören, dass ich besser kein Dessert essen sollte, weil ich nicht so dünn bin. Aber ich habe darüber einfach nur gelacht. Trotzdem werde ich seit 40 Jahren vor der Kamera ständig bewertet. Die Haare sind zu kurz, zu lang, zu grau. Die Klamotten sind spießig, die hat aber zugenommen. Das Schöne ist, je älter man wird, desto selbstbewusster wird man, irgendwann hat mich das nicht mehr interessiert.

Wie war das, als du plötzlich graue Haare hattest?

Natürlich gab es da ein paar Hater, besonders in den sozialen Medien, die geschrieben haben: „Die sieht ja aus wie eine 80-jährige Oma“. Aber die meisten Reaktionen waren total positiv!

Du tust viel für dein Aussehen. Warum ist dir das so wichtig?

Ich bin schon eitel. Ich achte sehr auf mich, mache viele Masken und Treatments, gehe zur Kosmetikerin, ich pflege mich und gehe oft zum Sport. Aber trotz allem genieße ich mein Leben!

Wiegst du dich?

Nein, das mache ich nicht mehr. Wenn ich mal Größe 40 habe, dann habe ich halt mal Größe 40, dann geht es wieder auf eine 38, diesen Schlankheitswahn mache ich nicht mit. Oft kam ich bei RTL zur Anprobe und habe dort Jeans gesehen, bei denen ich mir dachte: „Haben wir hier Kinderarbeit, da passt ja keine erwachsene Frau rein.“ Das war schon etwas befremdlich. Aber ich habe mich davon völlig befreit.

Hast du diese Einstellung erst mit der Zeit verinnerlicht?

Ja, das war schon ein Prozess. Mit den Jahren kommt immer mehr das Innere nach Außen. Ich halte auch nichts davon, wenn man mit 60 aussehen möchte wie mit 30. Ich finde, man muss akzeptieren, dass ich in meinem Alter halt keine Miniröcke mehr trage, aber das ist auch völlig in Ordnung so.

Was hältst du von Schönheits-Operationen?

Ich habe nie etwas machen lassen, aber ich hatte auch wirklich großes Glück mit meinen Genen. Das klingt immer so doof, aber mein Freund ist ja acht Jahre jünger als ich und der sagt morgens immer zu mir, „Warum hast du keine Falten?“ Wer weiß, wie es gewesen wäre, wenn ich total schlechte Haut und tiefe Falten gehabt hätte. Ich möchte mich deshalb nicht über Menschen erheben – wer weiß vielleicht hätte ich sonst auch was machen lassen. Aber wenn dann einfach dezent, leider übertreiben es viele Menschen viel zu sehr.

In einem Kapitel in deinem neuen Buch „Birgit ungeschminkt – Vom Leben gelernt“ sprichst du auch von deiner Angst vor Cellulite. Warum plagen dich manchmal dann doch solche Selbstzweifel?

Ich habe mir auch gedacht, dass ich total bescheuert bin. Ich war mit meiner Freundin Annika auf einem Boot und die hat sich ausgezogen und so eine tolle Figur, keinerlei Dellen und ich war leider nie ganz frei von Cellulite, das war schon immer so. 80% der Frauen haben Cellulite, weil unser Bindegewebe einfach anders beschaffen ist, dass sollten wir  akzeptieren. Und dann habe ich mich doch tatsächlich geschämt und dachte mir: „Ich mache gerade Bodyshaming bei mir selbst!“ Dann bin ich ohne mein Cellulite-Sicherheitstuch ins Wasser und dachte mir: „Da kräht doch kein Hahn danach, wie doof eigentlich.“ Und bin ab ins Wasser, ohne Selbstzweifel!

Ihr neues Buch: "Birgit ungeschminkt: Vom Leben gelernt"

Aber warum machen wir Frauen das immer? Männer sind da irgendwie nicht so…

Nein, Männer finden sich immer total geil und wir Frauen mäkeln ständig an uns rum. Das müssen wir uns unbedingt abgewöhnen. Wir Frauen sollten uns gegenseitig bestärken, statt gegenseitiges Bodyshaming zu betreiben à la: „Siehst du wie xy schon wieder zugenommen hat?“ Wir müssen viel mehr zusammenhalten und uns nicht taxieren.

Warum dann trotzdem noch ein Cellulite-Sicherheitstuch?

Heutzutage hat ja jeder ein Telefon und kann fotografieren. Wenn ich dann mal öffentlich am Strand liege, knipst dauernd jemand ein Bild von mir, so von wegen „Schau, die Schrowange hat auch Cellulite“ – und dann landet das im schlimmsten Fall noch in irgendeiner Zeitschrift. Das möchte ich einfach nicht. Wenn ich irgendwo privat bin, zum Beispiel in meinem Garten, dann interessiert mich das gar nicht mehr.

Hast du gelernt, deine Selbstzweifel mit den Jahren abzulegen oder vielmehr mit ihnen zu leben?

Ich habe gelernt sie loszuwerden. Das ist das Tolle am Älterwerden. Ich wurde auch ganz anders erzogen, ich bin ja ein Nachkriegskind, da hat man nicht so viel Rücksicht auf irgendwelche Befindlichkeiten genommen. Deswegen war ich auch total schüchtern früher. Als ich damals beim WDR anfing, habe ich den Mund gar nicht aufbekommen und mir gar nichts zugetraut. Ich habe mich immer selbst motiviert und versucht, das Selbstbewusstsein einfach zu schauspielern, das hat mir sehr geholfen. Heute ist es mir egal was fremde Leute von mir denken, das ist mir einfach nicht mehr wichtig, wie die mich beurteilen. Die Meinung meiner Familie und meiner Freunde ist mir wichtig, das war‘s.

Wann warst du am selbstbewusstesten?

Ab 50!

Denkst du, dass „Diversity“ auch langsam in der Fernseh-Landschaft ankommt?

Auf jeden Fall. Bei RTL gibt es ja jetzt auch Leonie Koch, die, glaube ich, eine Größe 46 trägt und das finde ich total super! Und ich bin auch ein riesen Fan von Angelina Kirsch. Eine super nette, sympathische, bildschöne Frau. Die ist doch hundertmal schöner als so manche Magertante, die hat eine irre Ausstrahlung und darauf kommt es an.

Was bedeutet „Bodypositivity“ für dich?

Das Gegenteil von Bodyshaming. Dass man sich annimmt wie man ist, dass man Frieden mit sich selber schließt. Der liebe Gott hat uns eben alle anders erschaffen, manche sind eben ein bisschen kurviger, die eine ist ein bisschen schlanker. Die eine hat mehr Busen, die andere weniger. Man sollte auf das Schöne schauen und nicht immer auf die vermeintlichen Fehler! Wenn wir mal ganz ehrlich sind, der Körper hat ein bestimmtes Gewicht worauf er sich einpendelt und manche sind halt ein bisschen mehr manche weniger.

Du hast schon lange eine Kooperation mit „Adler“. Findest du, die Plus-Size-Mode ist moderner geworden als früher?

Ja total! Zum Beispiel das Label Thea bei Adler. Ich kaufe mir da sogar manchmal so eine tolle Tunika in Übergröße und nähe mir die ein bisschen ab, weil ich die Sachen so toll finde. Mega bunt, fröhlich und schön. Ich glaube, es gibt jetzt schon langsam das Bewusstsein, dass Frauen mit Kurven keine schwarzen Zelte anziehen wollen – die müssen sich doch nicht verstecken. Auch meine Kollektion geht bis Größe 48 oder 50. Ist doch egal, ob das jetzt eine schlanke oder kurvige Frau trägt. Viele Plus Size Mädels machen noch den Fehler das sie sich in so Gewänder hüllen – ich finde sie sollten ihre Taille und ihre Kurven betonen, das ist viel schmeichelhafter als ein weiter Sack!

Was sollte sich, deiner Meinung nach, in der Modeindustrie noch verändern?

Dass es überall Sachen in allen Größen gibt und die Designer auch mal was für Frauen mit Kurven kreieren. Es wird alles immer nur an Frauen mit Größe 36 präsentiert. Es sollte mal die ganze Palette an Frauen gezeigt werden in den Schaufenstern: groß, klein, kurvig, schlank… Das würde ich mir wünschen.

Was ist dein absolutes Lieblingsteil im Schrank?

Ich liebe im Moment meine schwarze Lederjacke von Adler! Die ist so weich und wunderschön. Die passt zu allem und die ist einfach mega!

In welchem Outfit fühlst du dich am wohlsten?

Ich habe so eine Hose mit Gummizug, die mit T-Shirt und Turnschuhen, da fühle ich mich pudelwohl.

Was wünscht du dir für alle Frauen dieser Welt?

Dass sie selbstbewusst durchs Leben gehen, ihr Ding machen und sich nicht verbiegen lassen und das schon gar nicht von einem Mann. Dass sie Verantwortung für ihr eigenes Leben übernehmen und sich nie abhängig machen.

Dankeschön für das tolle Gespräch, liebe Birgit!