Interview mit "The Curvy Magazine"-Gründerin Carola Niemann

Interview mit "The Curvy Magazine"-Gründerin Carola Niemann

Endlich ist das "The Curvy Magazine" auf dem Markt - das erste deutsche Mode-Magazin für Frauen ab Größe 42! Das „The Curvy Magazine“ gibt es seit einem Jahr online, seit Anfang Mai nun auch gedruckt am Kiosk. Wir haben mit Gründerin Carola Niemann über ihr Baby gesprochen. Außerdem hat sie uns verraten, was für sie „curvy“ bedeutet und warum gutsitzende Wäsche für kurvige Frauen so wichtig ist.
 

Foto: Carola Niemann
Foto: Carola Niemann

 

Carola, wie ist die erste Resonanz auf „The Curvy Magazine“?

Die Resonanz von den Lesern ist jetzt schon super. Wir kriegen nach der kurzen Zeit schon ein unglaubliches Feedback. Vor allem gibt es auch viele Leser, die zufällig auf das Magazin stoßen und es kaufen – weil sie sich in dem Magazin wiedererkennen. Das ist toll.  
 
 
Wie kam es zu der Idee, ein Magazin für kurvige Frauen zu machen?
 
Ich habe jahrelang für Mode-Magazine gearbeitet. Mir fehlte dabei aber immer etwas. Ich trage selbst Größe 42/44 und mich hat das Angebot an Magazinen, die auf dem Markt sind, einfach gestört. Und dann dachte ich mir: Es reicht jetzt, ich mache jetzt selbst ein Magazin für kurvige Frauen! Ich habe mir dann ein Konzept überlegt, bin damit durch die Verlagswelt und habe es vorgestellt. Nach drei Jahren habe ich mich dann dazu entschieden, das alleine zu probieren. Erst einmal habe ich das Magazin online gestartet. Dadurch, dass ich schon viele Jahre in der Branche arbeite, hatte ich zum Glück viele Kontakte. Ich habe hart gearbeitet, mein ganzes Geld in das Magazin gesteckt.
 
 
 
Woher hast du den Mut dafür genommen?
 
Ich glaube, dass „Mut“ nicht das richtige Wort ist. Der Glaube war einfach so stark daran, dass es so etwas wie das „The Curvy Magazine“ geben muss. Ich hatte immer das Gefühl, dass viele kurvige Frauen hinter mir stehen und das Projekt deswegen unbedingt gemacht werden muss. Ich fühlte mich nie alleine.
 
 
 
Warum glaubst du, dass die Verlage kein Interesse an deiner Idee hatten?
 
Ich habe oft gehört, dass kurvige Frauen kein eigenes Magazin brauchen, weil es ja schon andere Mode-Hefte auf dem Markt gibt. Kurvige Frauen würden ja bereits durchaus Magazine wie „Elle“ oder „Instyle“ kaufen, sodass der Bedarf an einem Magazin speziell für kurvige Frauen nicht da wäre. Außerdem habe ich oft gehört, dass nicht daran geglaubt wurde, dass eine kurvige Frau an den Kiosk geht und sich auch noch ein Magazin kauft, wo „kurvig“ draufsteht.
 

 "Es gibt zu wenig Auswahl für kurvige Frauen in der Modeindustrie"

 
Was bedeutet für dich „curvy“? Wie definierst du das für dich selbst? 
 
Ich finde, dass „curvy“ ein schwieriger Begriff ist, da er selbst von der Zielgruppe ins Leben gerufen wurde. Für mich persönlich ist man „curvy“ ab einer Größe 42/44.
 Ich bin einfach prinzipiell gegen Ausgrenzung, nur weil man etwas mehr auf den Hüften hat. Ich finde es nicht mehr zeitgemäß, dass man häufiger kritisiert hat, wenn man etwas kurviger als wenn man zu schmal ist. Die Zeiten sind vorbei, wo sich Frauen gegenseitig kritisieren müssen.
Eigentlich sollte das Ziel der Gesellschaft sein, dass man irgendwann ein Heft wie das“The Curvy Magazine“ nicht mehr braucht. Denn das würde bedeuten, dass „curvy“ in anderen Modemagazinen wie ganz selbstverständlich stattfindet und es eben nicht mehr diese Parallelgesellschaft gibt. Es gibt viel zu wenig Auswahl in der Modeindustrie für kurvige Frauen.
 
 
 
Ich bekomme oft mit, dass kurvige Frauen denken, dass sie niemals einen Freund finden werden.
 
Ich denke, dass hat hauptsächlich damit zu tun, dass sie nicht selbstbewusst genug sind und dieses mangelnde Selbstwertgefühl natürlich dann auch nach außen tragen. Er wenn man sich selbst liebt, kann man auch nach außen vermitteln, liebenswert zu sein. Es ist schwierig, wenn dir dein Partner das Glück geben muss, dass du dir selbst nicht geben kannst. Und das fängt schon bei der Erziehung der Eltern an.
 
 
 
Deine Tochter ist selbst kurvig. Wie bist du damit umgegangen?
 
Für mich war das tatsächlich schwierig. Ich glaube nicht, dass ich ihr eine große Hilfe war. Zum einen habe ich in Redaktionen wie dem „Playboy“ gearbeitet, wo ein ganz anderes Frauenbild vermittelt wird. Zum anderen hatte ich immer das Gefühl, dass ich sie darin unterstützen muss, Gewicht zu verlieren. Anstatt ihr zu sagen, dass sie gut so ist, wie sie ist.
 
 
 
Wie denkst du, sollten Eltern ansonsten mit ihren kurvigen Töchtern umgehen?
 
Man sollte ganz offen darüber reden und auch mit den Ärzten zusammenarbeiten, wenn man denkt, dass es nicht mehr gesund ist. Es ist wichtig, sich Hilfe zu holen und nicht allein dazustehen. Es gibt auch Suchterkrankungen, wo es medizinische Unterstützung benötigt.
 

"Wenn die Wäsche gut sitzt, sieht das obendrüber auch direkt besser aus."

 
Was bedeutet „Bodypositivity“ für dich?
 
Leben und leben lassen.
 
 
 
Was sollte jede kurvige Frau im Schrank haben?
 
Schöne Wäsche, die gut passt. Verschiedene BHs - sowohl Minimizer als auch BHs, die ein schönes Dekolleté machen. Dafür sollte man sich ausmessen lassen, damit die BHs auch wirklich passen. Wenn die Wäsche gut sitzt, sieht das obendrüber auch direkt besser aus.
Ansonsten bin ich großer Fan von Kleidchen im Sommer. Da muss man dann schauen, ob man eventuell noch ein Unterkleid anzieht, weil wohl jede kurvige Frau aneinander reibende Oberschenkel kennt.
 
 
 
Wo gibt es die schönsten Sachen für „curvy girls“?
 
Das ist echt total schwierig, weil es überall mal etwas Schönes gibt. Aber besonders gut finde ich Navabi, C&A und Asos.
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