Interview mit RTL-Moderatorin Leonie Koch

Interview mit RTL-Moderatorin Leonie Koch

Foto: Moritz Jansen

Seit Kurzem moderiert Leonie Koch beim RTL-Magazin "Explosiv" – eine Aufgabe, die für die Powerfrau neu ist. Denn bisher stand sie als Radio-Moderatorin bei "YouFM" abseits der Kamera. Wir haben mit der sympathischen Leonie über ihren neuen Job, die Resonanz der Zuschauer auf ihre Figur und Bodypositivity gesprochen. Außerdem hat sie uns verraten, was für sie ein absolutes No-Go in der Mode ist – viel Spaß beim Lesen! :)

Liebe Leonie, du stehst seit Kurzem für „Explosiv“ vor der Kamera. Wie ist es für dich, dich nun selbst im Fernsehen zu sehen?

Es ist aufregend und toll, aber fühlt sich einfach unwirklich an. Das ging jetzt alles so schnell, die ersten Sendungen sind vorbei und sie sind total an mir vorbei gerast. Mich in der Studio-Szenerie von Explosiv zu sehen sorgt auf jeden Fall für Kribbeln in meinem ganzen Körper. 

 Bist du ein selbstkritischer Mensch?

Ja, sehr. Ich habe hohe Ansprüche an mich und meine Arbeit. Wenn jemand sagt „Das hast du toll gemacht“, dann schaue ich meistens noch mal genauer hin und denke „Ja, aber… das und das kann ich noch verbessern.“ Ich glaube, dass es vielen Menschen ähnlich geht. Dieses Aber versuche ich mir etwas abzugewöhnen, gnädiger mit mir selbst zu sein und auch mal Lob einfach stehen zu lassen.

Du wirst von deinen Fans für deine Ausstrahlung und deinen Look gefeiert. Auch, dass du zu deinen Kurven stehst, finden viele – auch wir – einfach klasse. Wie gehst du mit der ganzen Resonanz um?

Ich freue mich riesig über die ganzen tollen Komplimente und dass ich als neues Gesicht von Explosiv so lieb aufgenommen wurde. Es macht einfach total Spaß, die Sendung zu moderieren, schön dass man mir das ansieht! 

Die Intensität der Resonanz auf meine Figur hat mich etwas überrascht. Ich habe sooo viele Nachrichten bekommen á la „Eeeendlich! Eine von uns!“ Das hat mir noch mal bewusst gemacht: Für mich ist das normal und es sollte heute auch normal sein, dass jemand mit meiner Figur eine solche Sendung moderiert. Letztendlich sollte die Fernsehlandschaft die wunderbare Vielfalt unserer Gesellschaft spiegeln und die Arbeit von jedem im Fokus stehen, nicht das Äußere. Aber der Konjunktiv verrät es: Da sind wir noch nicht ganz. 

Foto: Moritz Jansen

Bekommst du auch negatives Feedback? Wenn ja, wie gehst du damit um?

Klar! Der absolute Großteil ist sehr positiv, aber man kann nie allen gefallen.

Meine Art zu moderieren hat z.B. noch keiner negativ kommentiert. Beim Äußeren sieht das anders aus: Ob es das Outfit ist, oder die Figur – da gibt es immer was zu kritisieren.

Einige fanden meine Styles „unvorteilhaft“. Da merke ich einfach, dass wir ganz unterschiedlich ticken. Denn mein persönliches Bestreben ist es nicht, so dünn wie möglich auszusehen. Kaschieren und Verstecken ist nicht meins. Wieso auch? Das ist meiner Meinung nach ein gesellschaftlich anerzogenes Ding. Abgesehen davon, zucke ich schon mal kurz zusammen, wenn ich das lese. Denn mein Aussehen sollte einfach keine Rolle spielen bei meiner Arbeit.

Im Endeffekt ist es auch egal, welche*n Moderator*in man sich anschaut. An allen gibt es von jemandem etwas auszusetzen. Die Geschmäcker sind verschieden. Das ist auch völlig ok und gut so. Denn wie langweilig wäre die Welt ohne diversity?! Es muss einen auch nicht jeder toll finden. Manche Menschen sollten sich nur überlegen, wie sie sich ausdrücken und ob es konstruktives Feedback ist. Ist es das nicht, kann man sich das auch sparen.

Wie stehst du dazu, dass Fernseh-Deutschland noch immer, fast ausnahmslos, aus sehr schlanken Moderatorinnen besteht?

Das finde ich erstaunlich und schade. Denn wir machen ja Fernsehen für alle und da sollten sich auch alle wiederfinden. Ich finde es super, dass mit diesem Muster nach und nach gebrochen wird.

Du hast dich gerade erst bei „Instagram“ bei deinem Styling-Team bedankt. Was bedeutet Mode für dich?

Mode ist für mich wichtig, weil es eine Art ist sich auszudrücken. Ich finde es toll, wenn Menschen sich trauen nicht mit dem Trend zu schwimmen, sondern individuell, abseits von aktuellen Bildern in den Medien ihren Stil entwickeln. Es macht einfach Spaß zu experimentieren. Mode ist Freiheit.

Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Puh, das ist schwer. Ich glaube, es ist ein bunter Mix aus schick, leger und manchmal sportlich. In meinem Kleiderschrank findet man „das kleine Schwarze“, aber auch Oversize-Hoodies, Sneaker und High Heels. Funfact: Bei mir im Schrank gibt es genau zwei Hosen und ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich sie das letzte Mal getragen habe. Das ist Jahre her. Ich bin einfach ein totales Rock- und Kleidmädchen, jeden Tag.

Ansonsten kommt es auf den Anlass und mein Feeling an. Ich bin auch schon völlig overdressed zur Arbeit beim Radio gegangen. Da sieht mich zwar niemand, aber ich hatte einfach Bock auf ein schickes Sommerkleid. In dem ist übrigens eine Freundin von mir später auf eine Hochzeit gegangen. 

Das Thema „Bodypositivity“ ist seit einigen Monaten in aller Munde. Wie stehst du zu dem Thema? Was zeichnet „Bodypositivity“ für dich aus?

Bodypositivity finde ich super wichtig. Sie wird schnell mit einer reinen Curvy-Bewegung verwechselt. Dabei geht es um viel mehr. Es geht darum, nicht jedem gefallen zu müssen.

Bodypositivity heißt für mich einzufordern, dass jede/r so sein darf, wie er/sie es will und wie er/sie sich wohl fühlt und vor allem nicht am äußeren gemessen wird!

Man kann es nicht oft genug betonen: Jeder Mensch darf sich in seiner Haut/ in seinem Körper wohlfühlen und sich schön finden. Da hat kein anderer drüber zu bestimmen.

Das heißt: Sorg dafür, dass du in dem Körper steckst, in dem DU dich wohl fühlst und in dem DU glücklich bist; nicht in dem, in dem die Gesellschaft dich am liebsten sieht.

Diese Toleranz gilt für alle Seiten. Für mich ist es toll, bestärkt zu werden in meinem Körper-/ Selbstbewusstsein. Gleichzeitig wünsche ich mir sehr, dass das nicht automatisch ein Dünnen-Bashing mit sich bringt. Manche Nachrichten an mich waren gespickt mit Abwertungen der Figuren von meinen schlanken Kolleginnen. Das finde ich super schade und unnötig. Denn ich bin gegen jede Form von Bodyshaming, egal in welche Richtung.

UND: Bodypositivity ist nicht nur ein Frauending! Jeder Mensch sollte ohne gesellschaftlichen Druck sein eigenes Schönheitsideal individuell finden und leben können.

Was sollte, deiner Meinung nach, jede Frau im Schrank haben?

Jede Frau ist anders, deshalb ist das schwer zu beantworten. Ich würde sagen, etwas, in dem sie sich wohl fühlt und strahlt. Konkret für die Allgemeinheit würde ich sagen: roten Lippenstift, ein buntes Kleid und ein Paar coole Sneaker. Denn High Heels sind mega, aber man muss auch mal eine Nacht durchtanzen können.

Gibt es für dich modische No-Gos?

Uhhhh ja Crocs gehen gar nicht und ich bin absolut anti Echtfell!

In welchen Shops gehst du am liebsten Einkaufen? Oder bist du eher „Typ Online-Shopping“?

Ich habe keine Lieblingsläden. Wenn ich in der Stadt shoppe, schaue ich einfach überall mal rein und probiere Tausend Dinge an. Mein Schlüssel ist: Sieht es auf dem Bügel richtig hässlich aus, könnte es angezogen ein Knaller sein!😊 Und der Preis sagt nix über den Look aus. Ich muss aber ergänzen: Ich bestelle fast nur online. Denn leider haben die Geschäfte in der City in den seltensten Fällen die passenden Größen da und der Shoppingtrip ist oft reine Zeitverschwendung. Ich habe ein furchtbar schlechtes Klima-Gewissen, aber würde ich nicht grundsätzlich zwei Größen zur Auswahl bestellen, müsste ich wahrscheinlich (natürlich überspitzt formuliert) nackt herumlaufen.

Was ist der beste Tipp, den du in Sachen Styling je bekommen hast?

Einfach ausprobieren! Vielleicht verliebst du dich in ein Teil, was du normalerweise nie angefasst hättest. Meine liebe Stylistin Jenny hat mir den Pencil Skirt wieder nahegebracht. Ich habe ewig A-Linie getragen und jetzt liebe ich die kurvige Silhouette.