Interview mit Sandra Wurster ("Bauchfrauen")

Interview mit Sandra Wurster ("Bauchfrauen")

Die gelernte Tanzpädagogin Sandra Wurster setzt mit ihrem Lifestyle-und Fashionlabel "Bauchfrauen" auf Selbstliebe und Akzeptanz. Mittlerweile hat sie sogar ein Buch zum Thema Bodypositivity herausgebracht ("Das Leben ist zu kurz, um den Bauch einzuziehen") und bietet Workshops an. Wir haben mit der sympathischen 29-Jährigen über ihr Label geprochen und welche Message sie vermitteln möchte. Viel Spaß dabei :)

Quelle: Foto von Sandra Wurster von Jeanette Bak Photography

Liebe Sandra, wie kam es zur Idee „Bauchfrauen“?

Ich bin ursprünglich Tanzpädagogin und durfte in über 13 Berufsjahren die unterschiedlichsten Menschen kennen lernen und mit ihnen tanzen. Keiner glich dem anderen, was für eine absolute Vielfalt. Doch vor allem die Frauen verglichen sich ständig und schienen mit ihrem Äußeren schwer zu hadern. Sogar die jungen Mädchen, die dem klassisches „Schönheitsideal“ entsprachen, fühlten sich schlicht unwohl in ihren Körpern. Da stellte ich mir immer häufiger die Frage: Wenn sich keiner tatsächlich wirklich schön und toll fühlt, ist es dann viel mehr als nur eine private Problemzone, die uns herausfordert? Und werden uns sogar systematisch bewusst Selbstzweifel eingeredet? Denn wer sich innerlich hässlich fühlt, wird viel Geld in die Hand nehmen, um sich jedenfalls äußerlich, auch wenn es oftmals nur kurzzeitig ist, schöner zu fühlen. Man muss sich einfach nur mal fragen, wer davon profitiert, wenn wir uns selbst annehmen so wie wir sind, unsere vollkommene Unvollkommenheit umarmen können und eventuell sogar unser eigener Fan sind? NIEMAND! Die nächste Frage, die ich mir stellte, war: Was könnten wir alle, doch vor allem Frauen, erreichen wenn wir endlich aufhören den Bauch einzuziehen?

Und so fingen wir an unsere Belly-Philoshophie auf simple basic Shirts zu drucken und kreierten daraus eine kleine Statement-Mode Kollektion, die mehr als nur fantastisch ankam. Frauen hatten auf einmal Appetit bekommen, sich selbst zu feiern- wie wunderbar. Mit unseren „Love & Shake your Belly“-Workshops (Selbstliebe Workshops für Frauen) wollen wir diese Frauen noch stärker miteinander verbinden. Zusätzlich haben wir Anfang des Jahres unser erstes Buch herausgebracht und fahren somit durch ganz Deutschland, um alle daran zu erinnern, das ihr Wert nicht an dem Umfang ihres Bauch gemessen werden kann….

Wie kamt ihr auf den Namen?

Tatsächlich ist mein damaliger Partner auf den Namen gekommen, wahrscheinlich wollte er einfach das ich nach Wochen der Überlegung schwieg. Und doch faszinierte und schockierte mich der Name zugleich. Denn einerseits haben wir alle einen Bauch und können uns deshalb mit dem Namen gut identifizieren (wir heißen ja schließlich nicht Dickbauchfrauen) und zugleich möchte man irgendwie keine Bauchfrau sein, weil man ja dann einen „Bauch“ hätte (den man fleißig, seit kleinauf, versucht loszuwerden). Dieses Zwischenbad an Gefühlen, das durch den Namen Bauchfrauen in mir selbst ausgelöst wurde, sprach für die abstrakten Gedanken und Glaubenssätze unserer Gesellschaft. Und weil es sich mal alles andere als rund im Bauch anfühlte, entschied ich mich dafür!  

Was ist euer Ziel dahinter? Was macht ihr genau?

Unsere Welt wäre eine andere, wenn Frauen selbstbewusster durch ihren Alltag marschieren würden und wir möchten diesen langen Weg, der leider noch vor uns liegt, mit unseren Belly-Skills unterstützen und vielleicht sogar etwas beschleunigen. Wir motivieren, inspirieren, erinnern, berühren, polarisieren und stellen in Frage. Zeigen bewusst unser perfektes unperfektes Dasein und unsere  Verletzbarkeit, um anderen bewusst zu machen, dass sie ihre Wahrheit leben können. Dass sie Lebendigkeit und Farbe wählen dürfen und auch müssen, um in ihr Potential zu kommen.

Arbeitet ihr hauptberuflich als „Bauchfrau“?

Ich, Bauchfrau Sandra Wurster ja und der Rest unseres noch kleinen aber fantastischen Teams arbeitet zum größten Teil freiberuflich…

Wie können wir uns eure Workshops vorstellen?

Die sollt ihr euch nicht vorstellen, die müsst ihr erleben! Eine große Portion aus stark inspirierenden Power-Talks, einer energiegeladenen und sinnlichen Tanzeinheit (die Unfassbares bewirkt), leckeren Snacks, viel Fläche um sich auszutauschen und sich selbst zu erfahren, eine Fragerunde mit Expertinnenwissen und abschließend eine kleine meditative Entspannungseinheit. Also ein Allround- Workshop für Körper, Seele und Geist.

Welche Frauen kommen in eure Workshops?

Tatsächlich gibt es keine „bestimmte“ Art Frau oder Zielgruppe, die wir haben und ansprechen. Es kommen querbeet die unterschiedlichsten Frauen. Und dies zeigt nur, dass das Themen Selbstliebe & Körperliebe keine bestimmte Kleidergröße hat und es eben alle mehr verbindet, als trennt.

Wem würdet ihr die Workshops empfehlen?

Allen Frauen! Es ist einfach schön, ab und zu daran erinnert zu werden, dass wir einmalig, einzigartig und unvollkommen vollkommen sind.

Gibt es einen Promi, den ihr besonders gerne mal dabei hättet?

Darüber haben wir uns noch nie Gedanken gemacht.

Welche „Message“ versucht ihr, zu vermitteln?

Dass das Leben zu kurz ist, um den Bauch einzuziehen! Und dass betrifft nicht nur Menschen ab einer bestimmten Kleidergröße, sondern eben uns alle. Ich kenne kaum einen Menschen, der sich nicht versteckt, schämt oder kostbare Lebenszeit verschwendet - weil es sich eben innerlich oder äußerlich nicht schön genug oder ungenügend anfühlt.

Was glaubt ihr, muss sich in der Welt, in Social Media und in den Köpfen der Menschen noch ändern?

Einer der wichtigsten Erkenntnisse unseres Erachtens ist, dass wir uns alle daran erinnern müssen, dass wir eben alle unperfekt perfekt sind; dass wir eben alle Löcher in unseren Herzen haben. Und wenn wir dies endlich annehmen könnten, dann könnten wir auch endlich einfach SEIN. Statt ständig unsere kostbare Zeit, Energie und Geld im Außen dafür zu verschwenden, diese Löcher stopfen zu wollen…

Vielen Dank für das Interview, liebe Sandra!