Interview mit Wanda Badwal - mit Yoga zu mehr Selbstliebe

Interview mit Wanda Badwal - mit Yoga zu mehr Selbstliebe

Stell dich doch gerne kurz einmal vor!

„Ich bin Wanda Badwal, leidenschaftliche Yoga- und Meditationslehrerin, sowie Speakerin und Autorin. Ich gerade meinen Podcast „ Wandaful“ – Living Yoga off the Mat veroeffentlicht – zum Thema Yoga, Spiritualität und persönliche Weiterentwicklung. Ausserdem gebe ich mein Wissen in Form von Yogaklassen, Workshop und Retreats weiter und ich bilde Yoga-Lehrer aus.

Woher kennt man dich?

Vielleicht erinnert ihr euch noch daran als ich 2008 bei "Germany’s Next Topmodel" den 4. Platz belegt habe. Mit dem Modeln habe ich allerdings schon früher begonnen, mit 13 Jahren. Wie das kam? Ich habe mich damals in der Schule nicht sehr wohl gefühlt, und war schlecht in Mathe. Ich wurde gehänselt, war früh körperlich entwickelt und war bereits in der vierten Klasse 1,73 m gross und trug Körbchengroesse 75B. „Du hast den Ball mit deinen Titten gefangen“ waren z.b. Sprueche im Sport-Unterricht, die ich mir anhören musste. Ich war groß, sensibel und fühlte mich schon immer irgendwie „ anders“. Ich hab mir bereits als Teenager viele Gedanken gemacht über das Leben und den Sinn unserer Existenz und war wohl nicht so otto-normal. Dabei habe ich mir oft nichts mehr gewünscht, als dazu zu gehören und nicht aufzufallen. Aber wenn man einen Kopf größer ist als alle anderen, erübrigt sich das schnell. Ein Freund meiner Eltern kam dann auf die Idee, etwas zu finden was meine Stärken stärkt und mir Freude und Selbstbewusstsein schenkt.

 

"Ich habe mich oft als Aussenseiter gefühlt"

So kam ich zum Modeln. Meine Eltern haben mich unterstuetzt auch wenn sie das Modeln und das Medienbusiness immer kritisch sahen. Sie wollten aber stets, dass ich dem nachgehe, was mir Freude macht. In der Schule kam mein neuer Model-Job allerdings nicht so gut an bzw. waren einige Mädels neidisch und haben mich gehänselt wie arrogant oder hässlich ich bin. Ich hatte zu der Zeit wenig Freunde und hab mich oft einsam gefuehlt, das war schwierig für mich. Am Ende wollte ich auch gar nicht mehr mit zur Klassenfahrt kommen, weil ich mich so gemobbt gefühlt habe. Die Schulzeit war keine wirklich coole Zeit fuer mich, aber ich glaube, das geht vielen Menschen so, die irgendwie anders sind und auffallen durch ihre Grösse, Aussehen oder ihr Verhalten. Das Modeln hat mir aber früh Selbstständigkeit und Freiheit geschenkt, das fand ich sehr aufregend.

Wie genau?

Durch das Modeln konnte ich reisen, viele coole Jobs machen und frueh mein eigenes Geld verdienen und mir damit meine Traueme erfuellen. So konnte ich mir z.b. meine 3- jaehrige Musicalausbildung an der Stage School nach dem Abi selbst finanzieren. Im negativen Sinne hat der Modeljob auch meine spaetere Schauspiel-Karriere beeinflusst. Ich habe einige tollen Film gedreht, doch durch die Teilnahme bei Germanys Next Topmodel klebte dieser Stempel an mir, was in der Schauspielszene nicht so gut ankam. Das war nicht einfach fuer mich denn die Schauspielerei und das Musical war mein eigentlicher Lebenstraum, den konnte ich dann nicht so leben wie ich es mir gewünscht hatte.

 

Wie ging es dann für dich weiter?

Ich habe einige Jahre in Berlin gelebt und dort auch erfolgreich als Model und Schauspielerin gearbeitet. In den Medien sieht man allerdings haeufig nur einen kleinen Teil davon, was es bedeutet, Schauspieler zu sein. Wenn man tatsaechlich dreht und Rollen bekommt ist es auch ein absoluter Traumberuf, es macht wahnsinnig viel Freude vor der Kamera zu stehen, am Set zu sein und ich habe es seit meiner Kindheit geliebt, in unterschiedliche Rollen zu schluepfen. Ein grosser, aber weniger glamouröser Teil des Schauspielberufes, wird meist nicht so beleuchtet, naemlich, dass man oft auf Castings rennt und dann auch einige Absagen kassiert. Als Model und Schauspielerin ist man stets darauf angewiesen, dass jemand anderes einen gut findet. Ich habe irgendwann gespürt, dass mir diese äußere Bewertung und die Abhängigkeit von dem Urteil anderer mir auf Dauer nicht gut tun. Absagen bei Schauspiel-Castings habe ich mir viel zu sehr zu Herzen genommen, und obwohl ich viel Arbeit in Form von Schauspielcoachings und Stimmtraining in jedes Casting investiert habe, hatte ich irgendwann das Gefühl, egal was ich tue – es ist niemals genug. Ende meines 26. Lebensjahres habe ich gemerkt, dass in mir eine Grenze erreicht ist und ich habe mir eine bewusste Auszeit genommen um nach innen zu schauen und über die Fragen zu reflektieren: Was will ich im Leben wirklich? Und wie will ich leben?

Ich habe eine Ayurveda-Kur gemacht und mit einem Coach herausgearbeitet, was mir neben der Schauspielerei noch Freude macht. Yoga war zu dem Zeitpunkt bereits seit 4 Jahren Bestandteil meines Lebens und ich bin 2x die Woche zum Yoga gegangen. Ich merkte, dass mir Yoga die Ruhe, Zufriedenheit und innere Stabilitaet schenkte dich ich mir wuenschte. Die Entscheidung war schnell klar: Ich moechte Yoga-Lehrerin werden. Das war dann ein grosser Wendepunkt in meinem Leben.

Hat Yoga deine Einstellung zu Figur und dein Körpergefühl verändert?

Auf jeden Fall! Als Model, wie als Schauspielerin, muss man ständig der äußeren Norm entsprechen. Stets jung, dünn, und hübsch, moeglichst perfekt sein. Als Model ist das natuerlich noch extremer und man steht unter grossem Druck. Es gibt auch Studien, dass 80 oder 90 Prozent der Frauen, die man im Fernsehen sieht, höchsten 35 Jahre alt sind. Das ist echt schockierend: Wir sehen also ständig nur sehr junge Menschen. Ich bin ziemlich froh, dass ich da den Absprung geschafft habe. Für meine Psyche wäre das auf Dauer nicht gut gewesen. Als Yogalehrerin darf ich athletisch und gesund aussehen, ausserdem brauche ich Kraft und Muskel um herausfordernde Asanas zu meistern. Das ist eine große Entspannung fuer mich.

 

„Yoga ist fuer alle! Nicht nur für schlanke Instagram-Girls“

Wie hilft dir Yoga?

Es hilft mir auf allen Ebenen. Yoga ist eine holistische Praxis und ein spiritueller Lebensweg, eine Lebensphilosophie, die uns hilfreiche Richtlinien an die Hand gibt. Yoga ist viel mehr als all das, was man so auf Instagram sieht. Wirkliches Yoga kann man eigentlich gar nicht in einem Foto festhalten. Yoga ist Meditation, der Zustand von Einheit, Mantra singen, Karma ( Handlung ), Hingabe und beten. Ich bin total interessiert daran, wie wir das noch mehr in unser Leben integrieren. Wie können wir noch mehr Verbindung, Einheit, Mitgefuehl lebe – in unseren Beziehungen und auch mit uns selbst. Wie können wir all die Gefühle, die nicht „schön“ sind, wie Wut, Neid, Hass, Eifersucht, Traurigkeit, Frustration, liebevoll begegnen und integrieren? Yoga ist auch die Beziehung mit dem eigenen Körper: Mit jedem Einatmen nehmen wir neues Leben in uns auf, mit jedem Ausatmen lassen wir Altes los. Yoga hilft mir in jedem Moment meines Lebens.

Ist Yoga etwas für jeden?

Ja, auf jeden Fall ist es das! Es gibt einen schönen Spruch von Krishnamacharya, der Urvater des Modernen Yoga wie wir es heute kennen, und er sagte: „There’s the right yoga for every person. Yoga should be adapted to the needs of the individual and not the person to the needs of Yoga.” Wir müssen uns also nicht ins Yoga reinzwingen, sondern konnen die Yogauebungen fuer unseren Koeper anpassen mit Hilfe von Hilfsmitteln oder Modifikationen der Uebungen.. Es ist schade, wenn Leute denken, Yoga ist nichts fuer sie, weil sie nicht flexibel genug seien oder nicht spirituell, nicht dünn genug oder sonst etwas. Yoga ist fuer jeden Menschen geeignet und man kann man es überall praktizieren, das ist das Schöne daran: Wir brauchen nur uns selbst und unsere Atmung.

„Die Seele ist immer rein und vollkommen.“

Du wirkst so im Reinen mit dir – wie hast du das geschafft?

Vielen Dank erst einmal! Ich würde sagen: Die Seele ist erst einmal immer rein und vollkommen. Aber dann passieren Dinge in unserem Leben, die schmerzhaft waren. Erfahrungen, Erlebnisse unserer Kindheit praegen unser spaeteres Leben massgeblich und hauefig viel mehr, als uns bewusst ist. Ich mache jetzt seit 10 Jahren innere Arbeit der persoenlichen Weiterentwicklung und Psychologie und habe fuer mich erkannt: Die meisten Gründe fuer unsere heutigen Probleme und Leiden liegen in unserer Kindheit. Jeder von uns hat Wunden und Traumata, die wir auf unbewusster Ebene in uns tragen, Narben auf unserem Herzen. Es ist auch wissenschaftlich erwiesen, dass Traumata sich sogar in der DNA verankern und somit auch von den Eltern und Grosseltern weitergegeben werden können.

So authentisch und angekommen, wie ich mich heute fuehle, war ehrlich gesagt viel Arbeit und hat einige Jahre der Tränen, des Schmerzes und der Einsamkeit gekostet. Ich habe Coachings und Therapien gemacht, viel innere Arbeit. Heute kann ich sagen: Ich bin ein integrierterer, authentischer Mensch. Eins meiner wichtigsten Schlüsselerkenntnis war Folgendes: Wie ihr oben in meiner Geschichte erfahren habt, habe ich mich in der Vergangenheit oft als Opfer der Umstaende gefuehlt. Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass ich niemals ein Opfer der Umstaende bin, sondern dass ich kraftvoller Schoepfer meines Leben und meiner Raelitaet bin. Ich/Wir alle sind selbst für unser Leben, unser Glück verantwortlich. Wir sind viel kraftvoller, als es uns haeufig bewusst ist.

 

"Selbstliebe bedeute all unsere Anteile, die dunklen und die hellen, liebevoll anzunehmen und zu umarmen"

Für mich bedeutet Selbstliebe, radikale Selbstakzeptanz und den zu Mut haben alles zu fühlen, was auftaucht. Uns selbst und unsere Gefuehle nicht zu bewerten und innerlich abzuwerten, sondern alle Anteile von uns liebevoll zu umarmen und anzuerkennen. Denn kein Gefuehl ist schlecht oder negativ, erst mal ist ein Gefuehl nur Energie, die durch den Koeper fliesst – und Gefuehle wollen gefuehlt werden, deshalb tauchen sie auf. Wenn wir z.B. von unserem Freund verlassen werden, ist es im Heilungsprozess nicht sehr hilfreich, den Schmerz über die Trennung zu verdrängen. Radikale Ehrlichkeit und Akzeptanz ist der erste Schritt: „Ja, das tut jetzt sehr weh, ja ich bin traurig.“ -  Es ist uebrigens mittlerweile erwiesen, dass der erste und notwenige Schritt fuer Veränderung immer zuerst die Akzeptanz und Annahme dessen was ist, ist, vorher kann also keine Veränderung eintreten.

Für Selbstliebe braucht es mehr, als sich ab und an ein heisses Rosen-Bad einlaufen zu lassen, obwohl auch das natuerlich auch ein Akt der Selbstfuersorge sein kann. Ich glaube, wir brauchen den Mut, unser Dunkelheit kennen zu lernen, um auch unser Licht zu sehen. Dunkelheit und Licht gehoern zusammen wie zwei Teile einer Muenze. Selbstakzeptanz kommt erst, wenn man sich auch anschaut, was man nicht an sich mag. Auch zu sagen: Ja, ich bin gerade neidisch oder ja, ich bin total wuetend. Ja, ich fühle mich gerade nicht wohl und mag meinen Körper nicht. Okay, kann ich auch diesen Teil liebevoll umarmen der mich selbst verurteilt.

In der spirituellen Szene wird viel von Licht und Erleuchtung gesprochen und Shanti Shanti. Aber ich glaube, es kann keinen wahren Frieden auf der Welt geben, wenn wir uns nicht die Teile in uns angegucken, die in unserem Inneren „ im Krieg“ sind, wo wir uns selbst bekamepfen, wo wir hart und verurteilend mit uns selbst umgehen. Alles beginnt in uns, die auessere Welt ist eine Reflektion, eine Kreation unserer inneren Welt. Das Leben ist beides: Scheiße und Sonnenschein. Man muss schauen, was man nicht an sich liebt, um zur Selbstliebe zu kommen. Ein praktischer Tipp: Alle negativen, selbstzerstoererischen Gedanken aufschreiben. Alle Momente, in denen man sich nicht liebt und am Ende des Tages sich diese Liste angucken und sich bewusst machen: Was denke ich den ganzen Tag eigentlich?! Wir selbst reden mit uns ganz oft total gemein. So würden wir mit keinem unserer Freunde reden. Bewusstsein und Annahme also Akzeptanz sind der erste Schritt für Veränderung.

Was möchtest du anderen Mädels, die mit sich hadern, mit auf den Weg zu geben?

Liebe und akzeptiere alles, was auftaucht. Jedes Problem ist eine neue Möglichkeit zu wachsen und zu deiner eigentlichen Groesse zu erwachen. Du bist stärker als du denkst!

Vertraue deiner Intuition und steh zu deinen Werten und der Wahrheit deines Herzens. Ich erlebe, dass viele Frauen voller Selbstzweifel sind, ihre Wahrnehmung hinterfragen und den Fehler zuerst bei sich suchen. Frauen sollten ihrer innewohnenden Intuition mehr vertrauen – und diese zeigt sich häufig in Form von Koepersignalen, die zu uns sprechen und uns den Weg weisen. Der Körper lügt nicht: Magenschmerzen, Kloß im Hals, Herzrasen – das sind alles Zeichen und Signale. Es ist unsere Aufgabe, sie richtig zu deuten und hinzuhören.

Ausserdem möchte ich Mädchen sagen: Macht den Mund auf, erinnert euch an eure Kraft. In Zeiten von #metoo, in Zeiten, in denen wir immer noch weniger verdienen, müssen wir den Mund aufmachen und sagen: Nein, das ist absolut nicht okay und nein, ich möchte so nicht behandelt werden. Frauen sollten viel mehr zusammenhalten und gegenseitig füreinander einstehen. Deshalb biete ich z.B. auch regelmässig Frauenkreise an, in denen ich Frauen in einem geschützten Rahemn zusammen bringe, um sich mit ihrer Weiblichkeit und Kraft zu verbinden, sich zu begegnen und sich gegenseitig zu untersteutzten.

Ihr wollt mehr von Wanda wissen und mehr von ihr und ihren spannenden Projekten erfahren?

Dann haben wir hier die richtigen Links für euch:

Instagram: @wandabadwal Infos zu Workshops, Events & Teacher Trainings Website: https://www.wandabadwal.com/

Podcast:  WANDAFUL  - "Living yoga off the mat" zu hören, ein Podcast ueber Yoga, Spiritualitaet und Persoenliche Weiterentwicklung (auf itunes, spotify, soundcloud).

 

Am 1. Oktober erschein übrigens Wandas erstes Buch „Yoga: Die 108 wichtigsten Übungen und ihre ganzheitliche Wirkung“ – jetzt schon vorbestellen bei Amazon! Dranbleiben lohnt sich also.